Wie Angehörige die Pflege zu Hause bewältigen können
Wenn ein nahestehender Mensch plötzlich Hilfe braucht, stellt dies das eigene Leben oft von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Wer kann sich kümmern? Was muss konkret erledigt werden? Und wie geht man dabei eigentlich richtig vor? Die Pflege von Angehörigen zu Hause beginnt selten mit einem klaren Plan. Meist wächst man Schritt für Schritt hinein und geht dabei oft an seine Grenzen oder darüber hinaus.
Wir geben dir in diesem Beitrag hilfreiche Tipps, wie du den Alltag als Pflegeperson besser meistern kannst und zeigen, welche Formen der Unterstützung es gibt.

Pflege ist vielseitig
Grundsätzlich geht es beim Pflegen darum, soviel Hilfe zu leisten, wie individuell benötigt wird. Das hängt natürlich stark vom Gesundheitszustand ab. Ein eigentlich fitter Mensch, der sich die Beine gebrochen hat, benötigt eine andere Pflege als jemand, der schwer an Demenz erkrankt ist.
Außerdem kann sich der Pflegebedarf auch von Tag zu Tag verändern. Deshalb sollte man zunächst herausfinden, was die pflegebedürftige Person noch selbstständig hinbekommt und wo Unterstützung wichtig ist. Je nach Pflegegrad gehören typischerweise Aufgaben wie Körperpflege, An- und Auskleiden, Hilfe beim Essen, Mobilisation, Medikamentengabe, Wundversorgung oder auch die Organisation von Arztbesuchen zur Pflege.
Hinzu kommen hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen oder Putzen. Außerdem ist es wichtig, soziale und emotionale Bedürfnisse zu erfüllen. Pflege kann also ein echter Fulltime-Job werden, allerdings haben nur wenige Angehörige die Kapazitäten, sich viele Stunden täglich zu kümmern.
Hemmungen bei der Pflege
Das Pflegen von Angehörigen ist meist auch emotional belastend, vor allem, wenn absehbar ist, dass sich der Gesundheitszustand nur noch verschlechtern wird. Mitzuerleben, wie beispielsweise der Partner oder die Eltern immer hilfloser werden, ist schmerzhaft. Die Rollen verändern sich und Grenzen verschwimmen. Manche Tätigkeiten fallen vielen Angehörigen besonders schwer, etwa die Intimpflege. Das Gefühl von Scham ist auf beiden Seiten vollkommen normal.
Auch die Angst, etwas falsch zu machen, begleitet viele Pflegende. Besonders bei der Medikamentengabe ist die Unsicherheit groß. Stimmen die Dosierungen? Wurde nichts vergessen? Noch größer wird die Sorge, wenn Injektionen notwendig sind, etwa bei Diabetes oder zur Thromboseprophylaxe. Es kann dauern, bis man mit allen Aspekten der Pflege umgehen kann.
Pflege kann man lernen – und das sollte man auch
Was vielen nicht bewusst ist: Niemand muss Pflege „einfach können“. Es gibt spezielle Pflegekurse und Schulungen für Angehörige, die die Grundlagen der Pflege vermitteln. Sie werden häufig von Pflegekassen, ambulanten Pflegediensten oder sozialen Trägern angeboten und sind meist kostenlos. In diesen Kursen geht es nicht um Theorie, sondern um Praxis.
Angehörige lernen zum Beispiel, wie man jemanden rückenschonend im Bett bewegt, vom Bett in den Rollstuhl hilft oder welche Hilfsmittel eingesetzt werden können. Gerade falsche Hebe- und Tragebewegungen führen bei Pflegenden häufig zu Rücken- und Gelenkschmerzen. Die richtigen Handgriffe schützen die eigene Gesundheit und machen die Pflege für alle Beteiligten sicherer. In geschütztem Rahmen können zudem Fragen gestellt werden, die man sich im Alltag vielleicht nicht zu fragen traut.
Entlastung annehmen
Pflege muss nicht komplett allein geleistet werden. Bestenfalls kann man die anfallenden Aufgaben auf viele Schultern verteilen, auf Familienmitglieder und Freunde, aber auch auf ehrenamtliche Helfer, die beispielsweise Einkäufe in der Nachbarschaft übernehmen oder für nette Gesellschaft sorgen. Bei einem höheren Pflegebedarf kann aber vor allem ein ambulanter Pflegedienst gezielt entlasten. Pflegekräfte kommen dann nach Hause und können in vielen verschiedenen Bereichen helfen. Das kann zum Beispiel die morgendliche Körperpflege sein, die Durchführung von Übungen zur Mobilisation oder die Medikamentengabe.
Viele Angehörige empfinden es als große Erleichterung, medizinisch anspruchsvolle oder besonders intime Tätigkeiten abzugeben. Andere nutzen Pflegedienste regelmäßig, um selbst Luft zu holen oder Beruf und Pflege besser vereinbaren zu können. Denn die ständige Belastung kann dazu führen, dass pflegende Angehörige selbst krank werden oder unter den Umständen enorm leiden. Regelmäßige Verschnaufpausen sind wichtig. Auch ein Urlaub kann realisiert werden.
Die Pflegekasse bezahlt unter bestimmten Voraussetzungen bis zu sechs Wochen ambulante Verhinderungspflege oder acht Wochen stationäre Kurzzeitpflege im Jahr. Viele Pflegedienste informieren über verschiedene Möglichkeiten zur Entlastung, sowohl finanziell als auch emotional und ganz praktisch.
Außerdem kann es hilfreich sein, sich mit anderen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. In vielen Orten gibt es Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige. Außerdem kann die kostenfreie App in.kontakt genutzt werden, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurde.









